Die sicherheitspolitische Lage rund um Grönland und die Arktis hat sich grundlegend verändert. Seit der erneuten Eskalation geopolitischer Spannungen und der verstärkten US-Präsenz in der Region ist klar, dass Grönland nicht länger nur ein strategisches Randgebiet ist, sondern ein zentraler Schauplatz globaler Machtpolitik. Der Grönland-Gipfel in Washington im Januar 2026 markierte einen Wendepunkt, sowohl in der internationalen Wahrnehmung als auch in der sicherheitspolitischen Strategie der beteiligten Akteure. Dass es sich dabei nicht um leere Worthülsen handelt, zeigt das Beispiel Venezuela eindrucksvoll. Es geht nicht mehr nur um symbolische Präsenz, sondern um konkrete Kontrolle und Einflussnahme, die durch wirtschaftliche Investitionen, militärische Infrastruktur und sicherheitspolitische Abhängigkeiten untermauert werden.
Innovationen im Bereich Verteidigung und Sicherheit sind dabei nicht länger optional, sondern ein zwingendes Erfordernis, um die eigene Souveränität zu wahren. Die Start-up-Szene im Bereich Sicherheitstechnologie erlebt nicht zuletzt deshalb einen Aufschwung, getragen von internationalen Investitionen und einem wachsenden Bewusstsein für die Bedeutung der autonomen Verteidigungsfähigkeit, perspektivisch unabhängig von den USA.
Der Trend setzt sich fort: Im Jahr 2025 wurden laut einem Bericht des NATO Innovation Fund und Dealroom USD 8,7 Mrd. in europäische Verteidigungs-Start-ups investiert. Im Jahr 2024 waren es noch rund USD 5,2 Mrd. Das entspricht einem Anstieg von 55 % gegenüber dem Vorjahr. Deutschland und das Vereinigte Königreich bleiben europäische Spitzenreiter beim Gesamtfinanzierungsvolumen. Besonders München hat sich als europäisches Zentrum für Defence-Tech etabliert, mit USD 1,7 Mrd. an Investitionen allein im Jahr 2025.
Die den Sektor dominierende Technologie ist dabei Künstliche Intelligenz in den verschiedensten Formen und Anwendungsbereichen, seien es autonome Systeme oder Datenanalyse.
Im Jahr 2025 hat sich die politische und institutionelle Flankierung der europäischen Defence-Start-up-Szene gegenüber 2024 deutlich konkretisiert und operationalisiert. Während 2024 noch von programmatischen Ankündigungen und politischen Grundsatzpapieren geprägt war, stehen 2025 konkrete Förderinstrumente, Beschaffungsmechanismen und industriepolitische Programme im Vordergrund.
Zentral ist hierbei die Weiterentwicklung europäischer Verteidigungsinitiativen wie des European Defence Fund (EDF) sowie die Implementierung neuer Instrumente zur Stärkung der europäischen Verteidigungsindustrie, insbesondere mit Fokus auf KMUs und Start-ups. Programme wie das European Defence Industry Programme (EDIP) zielen explizit auf die Skalierung innovativer Anbieter, die Integration in europäische Wertschöpfungsketten sowie die Förderung grenzüberschreitender Kooperationen ab. Damit verschiebt sich der regulatorische Rahmen von punktueller Projektförderung hin zu strukturpolitischer Industrieentwicklung.
Für Start-ups ergeben sich daraus neue Chancen, aber auch komplexere regulatorische Anforderungen. Fördermittel sind regelmäßig an Konsortialstrukturen, Exportkontrollvorgaben, Sicherheitsüberprüfungen und IP-Regelungen geknüpft. Hinzu treten verschärfte Anforderungen im Bereich Investitionskontrolle (FDI-Screening), insbesondere bei Beteiligungen aus Drittstaaten. Die zunehmende sicherheitspolitische Sensibilität führt dazu, dass Transaktionen im Defence-Bereich intensiver geprüft werden als noch 2024.
Aus rechtlicher Perspektive gewinnt damit die frühzeitige strukturierte Beratung an Bedeutung. Viele Rechtsgebiete – wie Gesellschaftsrecht, Beihilferecht, Vergaberecht, Exportkontrolle und Investitionsprüfung – greifen ineinander. Projekte im Defence-Sektor erfordern deshalb regelmäßig eine rechtsgebiets- und länderübergreifende Betrachtung. Wer regulatorische Anforderungen strategisch antizipiert, kann Förderfähigkeit sichern, Transaktionsrisiken reduzieren und die Skalierung beschleunigen. 2025 zeigt deutlich: Der regulatorische Rahmen ist nicht mehr eine bloße Begleiterscheinung, sondern ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor im Defence-Tech-Ökosystem.